Wir starteten bei schönem Wetter in Simmern. Zuerst ging´s vom Bahnhof Simmern durch die Stadt zum Wegweiser für unsere Tour und bald hatten wir auch das Wegzeichen, AU gefunden. Es geht durch eine typische Hunsrück Landschaft abwechslungsreich durch Wälder und Wiesen. Der Weg führte uns über Ohlweiler, Schönborn und Rödern nach Kirchberg, in die älteste Stadt im Hunsrück. Der Namensgeber des Weges, der römische Gelehrte Ausonius reiste im Jahre 368/69 n. Chr. im Gefolge des Kaisers Valentinian nach einem Alemannenfeldzug auf der alten Römerstraße quer durch den Hunsrück von Bingen nach Trier. Seine Reiseeindrücke schrieb er in dem Werk "Mosella" nieder, bis heute die älteste Reisebeschreibung einer deutschen Landschaft. Was Ausonius damals als "wilde Waldeinsamkeit" im Hunsrück beschrieb, kommt dem Wanderer von heute sehr entgegen. Auf Pfaden und Handelswegen folgen wir auf dem Ausoniusweg den römischen Spuren. Der Stadtteil Kirchberg-Denzen wurde bei Ausonius bereits als mansio dumnissus erwähnt und ist in der antiken Straßenkarte "tabula peutingeriana" als "dumno" eingetragen.
Nach einer kleinen Pause in Kirchberg geht es weiter Richtung Sohren. Am Ortsausgang von Kirchberg geht es vorbei an einem rekonstruiertem Leugenstein. (Eine Leuge ist ein altes gallisches Längenmass, das 202 n. Chr. offiziell in den nördlichen Provinzen eingeführt wurde. Es entspricht einer Länge von 2,22 km) Das erste Wegstück wird von zahlreichen Informationstafeln begleitet, bei Liederbach erreichen wir den Bissulapfad. Hinter der Ortschaft Liederbach beginnt ein etwa 10 km langes schnurgerades Teilstück der Original-Römertrasse. Es ist Nachmittag geworden und da wir in Sohren übernachten, verlassen wir kurz vor der Ausoniushütte mit nachgebautem römischem Wachturm den Ausoniusweg. Andrea und Wolfram gehen noch die wenigen Schritte bis zur Hütte und genießen die herrliche Aussicht vom Turm. Die übrigen Mitwanderer haben am Abzweig lauschige Lager gefunden und ließen sich nicht bewegen zu dem schön angelegten Rastplatz bei der Ausoniushütte nachzukommen. In Sohren machten wir uns auf der Suche nach unserer Unterkunft, Hotel-Pizzeria-Venezia. Der Ort wirkte wie ausgestorben. In unserer Unterkunft erhielten wir unsere Zimmerschlüssel, ein Getränk zum Abschluss der Tagesetappe gab´s aber nicht, da das Restaurant erst zum Abendessen aufmacht. Erfrischt erschienen wir alle pünktlich im Lokal und freuten uns, dass auch Werner nachgekommen war. Das Restaurant füllte sich schnell mit zahlreichen weiteren Gästen und so waren wir froh, dass wir einen Tisch für unsere 12 Personen starke Wandergruppe rechtzeitig vorher reserviert hatten. Mit Essen und Getränken waren alle zufrieden.
Gestärkt am reichhaltigen Frühstückbuffet setzten wir am nächsten Tag unsere Tour bei leichtem Regen fort. Zuerst ging es auf kürzestem Weg zum Ausoniusweg, der dann wieder auf nahezu schnurgeraden Weg durch den Hunsrück führte. Bei Krummenau ging es ein längeres Stück entlang der Landstraße, die wir schnell wieder verlassen wollten. Wir wählten einen in unsere Richtung führenden Abzweig und kamen zur unbewohnten Bergmühle, dem zurzeit geschlossenen Restaurant Schlossmühle. Das vornehme Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, umgeben von einer Gartenanlage und einem Teich war ein schöner Platz für eine ausgiebige Mittagsrast. Da die Brücke über den Bach baufällig war, suchten wir eine andere Route zurück zum Ausoniusweg. Über Horbruch und Hochscheid ging´s weiter und nach Überquerung der stark befahrenen B50 erreichten wir bald über die Hochgerichtsheide unser Tagesziel, den Archäologiepark Belginum. Da das Museum in Kürze schloss, ließen wir uns vereinbarungsgemäß von der Vermieterin unserer beiden nächsten Übernachtungen abholen. Das Landhaus Gräfendhron gefiel uns auf Anhieb. Nachdem wir die Zimmer bezogen hatten, trafen wir uns zu einem Umtrunk im Hof bei leckeren Kuchen und Getränken. Auch das Abendessen in den liebevoll restaurierten Innenräumen schmeckte allen.
Am nächsten Morgen wurden wir nach einem guten Frühstück mit leichtem Gepäck zum Endpunkt der gestrigen Wanderung zurückgebracht. Hier besichtigten wir das Museum am Archäologiepark Belginum und haben erfahren, dass dieser Ort in vergangener Zeit, bereits lange vor den Römern ein bedeutsamer Verkehrsknotenpunkt mit einer größeren Siedlung (vicus belginum) war. Auf dem weiteren Weg hatten wir herrliche Ausblicke in Landschaft und konnten die markanten Berge des Hunsrücks, aber auch viele Windkraftanlagen erkennen. Ab und zu führte der Weg entlang von Landstraßen, die mit Sicherheit schon mehrere tausend Jahre von Menschen genutzt wurden. Auf einem stillen Waldweg erreichten wir das ND "Graue Ley", einen beeindruckenden Quarzitfelsen, der zu einer kleinen Kletterei und Rast einlud. Bis zum Ort Haag hatten wir herrliche Ausblicke in die Landschaft und stiegen dann auf einem alten, wenig begangenen Weg durch eine Schlucht hinab ins Dhron-Tal über eine alte Steinbrücke zu unserer Unterkunft. Wir waren froh endlich bei einer geöffneten Gastronomie zu sein und in der schön restaurierten Anlage verwöhnt zu werden.
Am Sonntag, unserem letzten Wandertag ging es nach dem Frühstück mit schwerem Rucksack weiter aus dem Tal hinauf auf die Höhen des Hunsrücks. Wir sahen rechts des Wegs den Ort Berglicht liegen, weiter gings in einem Waldstück vorbei an der Schinderhannes-Höhle und dann kamen wir zu einem namenslosen Aussichtsberg, der mit Baumbeständen und Bänken zu einer Rast einlud. Danach ging es hinab zur kleinen Dhron, die wir bei der Schneidmühle überquerten, und anschließend wieder hinauf. Dicht neben dem Weg entdeckten Angelika und Daniel eine Rieke im Unterholz, die vermutlich hochbeschlagen (trächtig) war und einen Platz zum Setzen (gebären) ihres Rehkitzes suchte. Nach Überqueren der A1 über eine Brücke ging es stetig bergab zum Endpunkt unserer Wanderung nach Fell. Da es in dem Ort keine offene Gastronomie gab, nahmen wir den nächsten Bus nach Trier und mit dem Zug ging es zurück nach Koblenz. Die Wanderung hat allen gut gefallen und als Dank für die gute Organisation wurde zu einem Nachtreffen in das Haus von Daniel eingeladen am 20. August einladen. Marion und Wolfram brauchten zu dem schönen Sommerabend nur kommen ohne Beitrag. Besser hätte das Projekt „Ausoniusweg am Himmelfahrt 2022“ nicht enden können.
Aufgestellt: Wolfram
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