Mitte August 2021 starteten wir von Koblenz mit dem Zug nach Mailand, um die Adamello-Gruppe zu durchqueren. In Sesto San Giovanni, einem Vorort von Mailand übernachteten wir und fuhren am anderen Tag mit einem Bus Richtung Bergamo vorbei am Ende des Lago D`Iseo hinein ins Valcamonica über Edolo bis nach Temù. Auf ca. 1.200 Hm starteten wir um halb Eins unsere Bergtour und freuten uns, nach der langen Anreise endlich bewegen zu können. Mit Hilfe des GPS-Track fanden wir schnell den Zugang zum Valle del Avio und auf Waldwegen wanderten wir 8 km leicht ansteigend hinauf.
Mit herrlichem Blick auf den Adamello gingen wir um den Lago Veneròcolo über die Staumauer und eine kleine Anhöhe zum Lago Pantano del Avio. Hier startete der steile Pfad zum Passo Premassone, 2923 Hm. Oben angekommen konnte man in weiter Ferne das Rifugio Franco Tonolini, 2.467 Hm sehen unserer nächstes Ziel für eine Nachmittagsrast. Weiter ging´s vorbei am Refugio Baitone, 2281 Hm neben dem gleichnamigen See gelegen über einen im steilen Hang gelegenen Steig zu unserem Tagesziel Serafino Gnutti, 2.166 Hm. Die Hütte liegt am Lago Miller im Val Malga und auf der anderen Seite des Adamello. Die Hütte wurde von mehreren jungen Leuten bewirtschaftet und eine junge Italienerin sprach mit uns Deutsch, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Eigentlich war geplant hier 2 Nächte zu bleiben, aber wir entschieden ist uns die bevorstehende 8h Tour lieber in 2 Tagen zurückzulegen. Der Hüttenwirt war mit unserer Umplanung einverstanden und hat uns die nächste Hütte reserviert. Wir übernachteten im ausgebuchten Lager und bekamen nichts von den Frühaufstehern mit, die zum Adamello aufgebrochen sind.
Wir wanderten bei angenehmen Temperaturen entlang des Lago Miller, aber keiner verspürte Lust im See zu baden. Über Blocksteine, vorbei an einem Schneefeld erstiegen wir den Passo del Miller, 2.818 Hm. Man muss seine Sachen gut sichern, denn wenn zwischen die Felsblöcke z.B. Handy, Taschenmesser reinfällt, dann hat man kaum Aussicht es herauszuholen. Wir hatten herrliche Sicht auf den Adamello und den Aufstiegsweg mit vereinzelten Bergsteigern. Wir stiegen hinab ins Valle di Salarno und vorbei an 3 Eseln erreichten wir das Rifugio Paolo Prudenzini 2.2235 Hm. Wir trafen auf unserem Weg nur wenige Wanderer und genossen die Einsamkeit, in die auch nur selten, manchmal tagelang keine Funkwellen zu unseren Handys durchkamen. Wolfram ging auf der Suche nach einem Handyempfang ein Stück das Tal hinunter und musste dabei durch eine Kuhherde, die auf dem Weg zum Melken war. Er hatte aber keinen Erfolg und als wir nach Handy-Empfang bei der Hütte fragten, haben die Hüttenwirte uns eines Ihrer Handys zum Telefonieren ausgeliehen und wären enttäuscht gewesen, wenn wir dies nicht angenommen hätten. Die Hütte war sehr gemütlich und der Weißwein wurde gekühlt im Wasserbad serviert.
Inzwischen haben wir uns an das italienische Frühstück gewöhnt, aber Hilde als erfahrene Alpinisten hatte einen riesigen Vorrat an selbstgebackenen Canduccinis und Schokolade dabei und versorgte uns bei den Pausen damit. Wir nahmen ihr Angebot gerne an, zumal wir dadurch als Kavaliere mithalfen, dass ihr Rucksack leichter wurde. Wir verließen dieses Tal über den moderaten Anstieg zum Passo di Poia 2.775 Hm und stiegen hinab ins Valle Adame. Unterwegs machten wir an einem sonnigen Platz eine ausgiebige Pause. Es war Samstag und daher war es mit der Einsamkeit am Rifugio Baita Adame, 2.150 Hm vorbei. Die Sonnenterrasse war gut besucht, aber da unser Tagesziel in Sichtweite war, wanderten wir an einem Bach entlang weiter, vorbei an einem Bauernhof mit freilaufenden Schweinen. Wir hatten auch viel Spaß zu beobachten, wie 2 Hunde ohne Hirten eine Rinderherde Richtung Melkstand trieben. Als wir an unserer Herberge, Rifugio Città di Lissone 2.017 Hm ankamen, war die Terrasse gut besucht. Wir hatten von hier einen herrlichen Blick in das kaum bewohnte Tal Val Di Saviore und auf den fast 400 m, unterhalb gelegenen Parkplatz. Wir suchten auch den Steig in den steil aufragenden Felswänden, über den es weiterging. Wegen der Nähe zur Fahrstraße war die Hütte gut versorgt, wenn auch der Schallpegel wegen der zahlreichen Gäste im Speisesaal sehr hoch war.
Die nächste Etappe fing ganz moderat an, um dann in einen Kettenweg überzugehen, der erst einen Bach querte und dann an einer steilen Bergflanke hinauf zum Passo Ignaga ca. 2.525 Hm führte. Wir rasteten wir bei Überresten militärischer Anlagen aus dem I. Weltkrieg und hatten herrliche Aussicht in die Berglandschaften zu beiden Seiten des Grates. Ohne nennenswerte Höhenunterschiede ging es über den Passo D´Avolo, den Passo Di Campo vorbei am Corno di Vecchia 2.296 Hm und endete am Sega D´Arno (“Säge von Arno“), gezackten Felsen, die namensgebend für die Stelle waren. Es kam leichter Nebel mit Nieselregen auf und so gingen wir direkt über ein Hochplateau zum Rifugio Maria e Franco 2.574 Hm.
Die einfache, idyllische Hütte wurde von einem jungen Wirt bewirtschaftet, der die Unterkunft im 2. Jahr betreibt. Er erzählte uns, dass zu Beginn der Saison ein Heli die erforderliche Grundausstattung bringt und die übrige Verpflegung einmal wöchentlich im Rucksack auf die Hütte gebracht wird. Wir wurden gut versorgt und vermissten nichts. Am Abend konnten wir eine Steinbockherde beobachten, die an der Hütte vorbeizog. Bei angenehmen Wanderwetter brachen wir zu unserem letzten Tag auf zum Passo Bresciá, 2.682 Hm, weiter führte der Weg unterhalb einer Gipfelkette. Hilde, Christoph und Wolfram stiegen auf einem gut ausgebauten Treppenweg, vorbei an verfallenen militärischen Anlagen hinauf zum Monte Listino 2749 Hm. Über den Passo Blumone vorbei an der Porta del Caffaro mit herrlicher Aussicht erreichten wir das Rifugio Tita Sechi am Lago della Vacca. Hier trafen wir Christian und Michael wieder und stärkten uns für den Abstieg mit einer Crêpe Fungi. Den Weg ins richtige Tal fanden wir mit Hilfe des aufgezeichneten Tracks rasch und dann ging´s steil zu Tal zur Albergo Locanda Gaver 1.511 Hm.
Hier gab es ein mehrgängiges, schmackhaftes Abendessen und zum Abschluss Selbstgebranntes mit eingelegten Bergkräutern vom Wirt. Zu unserer Überraschung stellten wir am anderen Morgen fest, dass die Haltestelle unseres Busses direkt neben unserer Unterkunft war. So konnten wir noch gemütlich im Garten bei einem Cappuccino ausgiebig uns vom Adamello-Gebirge verabschieden. Mit einem Kleinbus ging‘s bis zum wunderschön im Hang gelegenen Ort Bagolino. Hier stiegen wir in einen größeren Bus um, der uns zum Bahnhof nach Brescia brachte. Anschließend fuhren wir mit dem Zug nach Verona und genossen unsere letzte gemeinsame Mahlzeit in einer herrlich über den Dächern von Verona gelegenen Pizzeria. Eine schöne Zeit ging zu Ende. Am Mittwoch fuhr Thomas nach Koblenz, Wolfram nach Bozen und Hilde, Christof und Christian blieben noch in Verona, um in der Arena die Oper Nabucco anzuschauen.
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