Vom 9. bis 14. August 2021 stand der Höhepunkt der diesjährigen Saison der Familiengruppe an – die Hüttenwanderung. Diese ist seit Jahren bei uns fester Bestandteil. Nachdem wir im letztem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie auf die Bergtour verzichten mussten, freuten sich alle in diesem Jahr endlich Hüttenfeeling schnuppern zu dürfen.
Eines vorweg - wir und damit meine ich insgesamt fünf Familien im Alter zwischen 7 und 50 Jahren hatten viel Glück. Und das fing schon beim Wetter an. Während es in den vergangenen Wochen immer wieder kräftig regnete, zeigte sich Petrus zum Start unserer Tour von seiner besten Seite. Die Sonne schien vom strahlend blauem Himmel. Start war in Niederthai, einem idyllischen Bergsteigerdorf auf knapp über 1.500 m.
Gut gelaunt ging es auf einem Forstweg Richtung Schweinfurter Hütte. Es war ein lockeres Einlaufen. Die Kinder, aber auch die Erwachsenen konnten sich während des unkritischen Aufstieges in aller Ruhe austauschen. Von Anfang an zeigte das Sellrain-Gebirge die Schönheit ihrer noch unberührten Bergwelt. Angekommen auf der Schweinfurter Hütte auf über 2.000 m wurde das Lager bezogen. Die Kinder stürmten nach oben, jeder wollte einen schönen Schlafplatz finden und so dauerte es ein wenig bis sich alles geschüttelt hatte.
2. Etappe
Nach einer mehr oder weniger guten Nacht starteten wir zu unserer zweiten Etappe. Eine besondere, da wir uns hier einmalig teilten. Eine kleine Gruppe mit fünf Personen nahm den schweißtreibenden Aufstieg über den Zwieselbacher Roßkogel (3082 m). Der Gipfelweg war beschwerlich durch ein grobes Schotter- und Felsgelände. Insbesondere die Höhe ab 2.700 m sorgte bei uns fünf Bergsteigern für Schnappatmung. Immer wieder mussten wir kurz pausieren. Doch der Gipfelblick entschädigte schließlich für die Mühen. Aber auch die zweite, deutlich größere Gruppe, hatte einen herausfordernden Weg vor sich. Schließlich galt es das Gleirschjöchl mit 2.750 m zu überwinden. Für beide Gruppen war der immer flacher werdende Abstieg in das immer grüner werdende Tal mit seinen plätschernden Gletscherbächen eine Wohltat. Auch die Neue Pforzheimer Hütte mit ihrer einladenden Natursteinfassade wusste zu überzeugen. Idyllisch gelegen konnte jeder nach Herzenslust entspannen und das Naturpanorama genießen.
Aber auch die zweite, deutlich größere Gruppe, hatte einen herausfordernden Weg vor sich. Schließlich galt es das Gleirschjöchl mit 2.750 m zu überwinden. Für beide Gruppen war der immer flacher werdende Abstieg in das immer grüner werdende Tal mit seinen plätschernden Gletscherbächen eine Wohltat. Auch die Neue Pforzheimer Hütte mit ihrer einladenden Natursteinfassade wusste zu überzeugen. Idyllisch gelegen konnte jeder nach Herzenslust entspannen und das Naturpanorama genießen.
Die dritte Etappe war für alle die „Königsetappe“. Unser Ziel ist das Westfalenhaus. Die nüchternen Zahlen klangen erst einmal nicht viel schlimmer als die gestrige Etappe. 738 Höhenmeter im Aufstieg und ähnlich viele Höhenmeter im Abstieg. Doch dazwischen lag die Zischgenscharte (2936 m). Eine Schlüsselstelle, die uns richtig viel Nerven und Kraft abverlangt hat. Anders als die anderen beiden Tage lachte uns zum Start der Tour einmal nicht die Sonne ins Gesicht. Eine Vorahnung? In unserer Vorbereitung zu der Tour gab es für diese Etappe unterschiedliche Aussagen zu der Beschaffenheit des Weges. Die Beschreibung des Alpenvereines stufte die Etappe lediglich als mittelschwer ein. „Langer mäßig ansteigender Weg, kurz vor der Scharte steiler mit Sicherungen“, so die Einschätzung des Verfassers. Prinzipiell ist an der Aussage nichts zu beanstanden, doch die Beschreibung verharmlost die Situation vor Ort dann doch ein wenig. Zur Verteidigung des Autors gilt es noch zu erwähnen, dass die letzte Aktualisierung aus dem Jahr 2014 stammte. Der schmelzende Gletscher, Witterung und sicherlich viele Wanderer veränderten den Weg in den letzten Jahren. Und das nicht zum positiven.
Wir teilten die Gruppe vor der Schlüsselstelle in Zweierteams, immer ein Erwachsener mit einem Kind. Ich ging mit der elfjährigen Nele vor. Der lose Schotter und die Steilheit des Geländes machten den Aufstieg zu einer echten Herausforderung. Seile mit Knoten in Abständen von circa 1 bis 2 Metern halfen uns aufwärts. Ohne diese Versicherung wäre der Aufstieg unmöglich gewesen. Doch insbesondere der Anfang kostete viel Kraft, da man sich überwiegend mit dem Oberkörper nach oben zog. Hinzu kam bei den Erwachsenen ein schwerer Rucksack, der ja ein Teil der Sachen der Kinder an „Bord“ hatte. Überraschender Weise hatten vor allem die kleinen und leichten Kinder die wenigsten Probleme mit dem Aufstieg. Sie rutschten auf dem losen Untergrund weniger weg. Ein echter Stimmungskiller war dann der Felssturz. Ähnlich wie eine Schneelawine gab es einen lauten Knall und etliches Gestein rutschte talabwärts. Nele steckte das Naturschauspiel überraschend gut weg und schaffte den Rest spielerisch. Oben angekommen legte ich meinen Rucksack ab und half den anderen bergauf. Bei einigen steckte der Felssturz noch in den Gliedern. Gemeinsam schafften wir es dann schließlich doch nach oben. Alle gesund und stolz dieses Hindernis geschafft zu haben. Auf dem Westfalenhaus angekommen genossen wir eine heiße Dusche und ließen den Tag mit Gesellschaftsspielen wie Werwolf oder Mäxchen ausklingen.
Nach zwei eher schweren Tagen freuten wir uns auf eine eher leichte und kurze Etappe. Hinzu kommt die hoch angepriesene Winnebachseehütte. Bereits um 14.30 Uhr erreichten wir diese. Meine bereits hohen Erwartungen wurden sogar noch einmal übertroffen. Was für eine Lage und was für ein Panorama! Ein echtes Hüttenjuwel eingebettet zwischen dem Winnebachsee und einem beeindruckenden Wasserfall. Endlich richtig Zeit zum Verschnaufen und das bei strahlend blauem Himmel. Für die, die noch nicht genug hatten, ging es auf die Ernst Riml Spitze (2512 m). Von hier aus konnte man den Blick in das Tal Richtung Winnebach und natürlich auf unsere Hütte genießen. Die ganz Mutigen gingen in den Winnebachsee und spürten was es heißt in einem Gletschersee zu baden.
Am fünften Tag wartete auf uns eine bereits vertraute Hütte. Es ist die Schweinfurter Hütte von der aus wir unsere Rundtour starteten. Doch mit über zehn Kilometern ist es auch die längste Etappe. Lang und zäh ging es zum Zwieselbachjoch auf 2870 m, unser letzter Anstieg auf der Hüttentour. Oben angekommen rappelt es in meiner Hose. Mein Handy hat endlich Empfang. Nicht selbstverständlich in den Bergen und noch dazu LTE. So stand für die nächsten 30 Minuten erst einmal alles still.
Doch wer den Blick nur auf auf das Handy richtete, verpasste die tollen Ausblicke auf den Grießkogl-Ferner oder den immer noch beeindruckenden Bachfallenferner mit ihrem Gletschereis. Der Abstieg Richtung Schweinfurter Hütte gestaltete sich etwas zäh. Alle mussten sich konzentrieren, denn es ging meistens nur von Stein zu Stein über ein Geröllfeld. Die ganz großen Blöcke nutzten einige von uns bei Pausen zum Bouldern. Doch je weiter wir bergab gingen, umso freundlicher und grüner wurden die Berge. Immer größer wurden die Bäche und schließlich sahen wir unser Ziel.
Der Abstieg ins Tal
Die letzte Etappe führte uns wieder zurück zum Parkplatz in Niederthai. In nicht einmal zwei Stunden erreichten wir unsere Autos. Wie am Starttag schien die Sonne und versüßte uns den Abstieg. Am Ende haben wir 40 Kilometer und rund 3.000 Höhenmeter in den Beinen. Abgesehen von den nüchternen Zahlen bleiben vor allem die gemeinsamen Erlebnisse, die grandiose Naturkulisse des Sellrain und eine tolle Gemeinschaft in Erinnerung. Respekt an die Kinder, die alle sehr gut gelaufen sind. Vor allem, weil sie sich hatten, und somit das eine oder andere Motivationsloch schnell gestopft wurde. Aber auch an die Erwachsenen, die schließlich nicht nur ihr eigenes Gepäck, sondern auch ein Teil der Kinder dabei hatten.
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