In dieser Woche erwanderten wir, 10 Bergbegeisterte der Sektion Koblenz von Hütte zu Hütte die abwechslungsreichen Landschaften rund um das nicht nur aufgrund der handgeschnitzten Weihnachtskrippen geschätzte Grödner Tal.
Anlässlich eines Vortreffens am 12. Mai 2023 in der Koblenzer Hütte wurden der geplante Ablauf, die notwendige Ausrüstung sowie die Modalitäten der Anreise besprochen. Schon dabei kristallisierte sich heraus: Es ist eine bunt gemischte, aber sehr sympathische Truppe. Mit Zustimmung aller Teilnehmer wurde eine WhatsApp-Gruppe zum weiteren Austausch erstellt.
Im Vorfeld der eigentlichen Reise gab es dann leider noch einige Änderungen: Die Mitorganisatorin Janine fiel kurzfristig aus, dafür stellte sich Jürgen zur Verfügung. Ritas Knie legte ein Veto ein und Uli und Martina verletzten sich unglücklicherweise bei Sport. Doris stieß als Ersatzteilnehmerin neu zu der Gruppe hinzu. Die Renovierungsarbeiten an der Brogles-Hütte, ursprünglich für die erste Übernachtung eingeplant, verzögerten sich.
Daher grenzte es fast an ein Wunder, dass sich die mit dem Sektionsbus anreisenden Teilnehmer schon eine Viertelstunde vor dem verabredeten Start am 14. Juli morgens um 5.00 Uhr an der Koblenzer Hütte einfanden. Dank der souveränen Fahrkünste von Stefan, Sascha und Rolf trafen wir pünktlich um 15.00 Uhr in St. Ulrich ein, wo wir an der Talstation der Seiser-Alm-Bahn von Jutta, Jürgen und Christiane in Empfang genommen wurden.
Gut gelaunt, beschwingt durch Klemens‘ „Secco“ und voller Tatendrang entschieden wir uns, den Aufstieg zur Raschötzhütte (Rifugio Resciesa, 2170 m) zu Fuß zu wagen. Einen Aufstieg von 960 hm verteilt auf 7 km sahen wir als gutes Training an, da sich die morgige Tagesetappe aufgrund der geänderten Planung doch von 11 km auf 17 km verlängern sollte. Bei unserer Ankunft auf der Hütte wurden wir schon mit einem deftigen Abendessen erwartet. Auch der Blick auf die gegenüberliegende, von der Abendsonne illuminierte Puez-Geisler-Gruppe weckte Begeisterung.
Nach einem stärkenden Frühstück ging es am 15. Juli zunächst relativ eben, in sanftem Auf und Ab, zur Brogles-Hütte. Bei einer Kaffeepause konnten wir uns vom zwischenzeitlichen Fortschritt der Renovierungsarbeiten überzeugen – das Ergebnis scheint sehr gelungen. Weiter folgten wir entlang des Fußes der Puez-Geisler-Gruppe dem bequemen und etwas stärker begangenen August-Munkel-Weg bis zur Schlüterhütte (Rifugio Genova, 2306 m). Vor dem letzten Anstieg lud die Gampenalm noch zu einer Stärkung. Die Speisekarte war schon sehr verlockend! Einige unermüdliche Teilnehmer nahmen im Anstieg noch den Zentleskofel (2.422 m) mit. Ich hob mir das Gipfelerlebnis für den nächsten Morgen auf. Die Verpflegung war wieder sehr schmackhaft und reichhaltig, die Süßmäuler schwärmten noch tagelang von der Buchweizentorte mit Preiselbeeren (Schwarzplententorte).
Am 16. Juli folgten wir einem Teilstück des Dolomitenhöhenweges Nr. 2 und genossen im Aufstieg nochmals tolle Rückblicke auf die Schlüterhütte und die Geislergruppe. Auch das Edelweiß blühte hier besonders verschwenderisch. Um zur Regensburger Hütte (Rifugio Firenze, 2037 m) zu gelangen, wählten wir jedoch den Weg durch die Wasserscharte (Forcella Mont de l‘ Ega), die für uns eine besondere Herausforderung bereithielt: Nach der Wegbeschreibung sollten hier eine Leiter und eine Seilversicherung die Passage erleichtern, jedoch Fehlanzeige. Ein sandiger, rutschiger Steilhang forderte uns allen Geschick ab und war für mich die „Feuerprobe“ dieser Wanderwoche. Umso glücklicher genossen wir oben die atemberaubende Aussicht.
„Che spettacolo, proprio mozzafiatto!“ würde der Italiener ausrufen. Der Abstieg zur Hütte war danach ein Kinderspiel, der „Veneziano“ als Aperitiv vor dem Abendessen wohlverdient.
Am nächsten Morgen, dem 17. Juli, kehrten wir zurück auf den Dolomitenhöhenweg Nr. 2, diesmal mit Anstieg über die Sieles- (2507 m) und die Nivesscharte (2740 m). Wieder wurden unsere Mühen mit atemberaubenden Weitblicken belohnt. Wem das noch nicht genug war, der konnte zusammen mit Jutta noch den Piz Duleda (2.909 m) erklimmen. Danach ging es in sanftem Schwung über den oberen „Balkon“ der Puez-Alpe zur Puezhütte (Rifugio di Puez, 2.475 m). Diese relativ kleine Hütte wird eher von Tages- als Übernachtungsgästen frequentiert. Abends genießt man dort Bergeinsamkeit pur, kein störendes Handygeklingel mangels Empfang.
Am 18. Juli folgten wir wiederum dem Dolomitenhöhenweg Nr. 2 zur Pisciadù-Hütte (Rifugio Franco Cavazza al Pisciadù, 2.585 m). Zunächst war der Weg einsam und eröffnete wundervolle Ausblicke auf Langkofel, Rosengarten und Schlern. Vorbei an einem wunderschönen kleinen See erreichten wir die Forcella di Crespeina (2.577 m). Spätestens an der Cir-Scharte (2.475 m) holte uns dann die Zivilisation in Form von Tagesausflüglern mit Hund und Sandalen ein. Gleichwohl konnten wir uns eine Einkehr auf der Jimmi-Hütte nicht verkneifen, bevor wir schnell zum Grödner Joch (2.121 m) abstiegen, dort die Fernstraße überquerten und uns dann an den anspruchsvollen Aufstieg zur Pisciadù-Hütte wagten. Hier waren einige seilversicherte Kletterstellen 1. Grades zu meistern. Das hätte ich mir aufgrund der Vorbesprechung „haarstäubender“ vorgestellt. Die Hütte liegt wunderschön an einem kleinen See. Das ersehnte kühlende Fußbad für die Wellness-Anhänger und der Aufstieg für die Gipfelstürmer fielen jedoch einem hereinziehenden Gewitter zum Opfer, das uns allerdings mit einem prachtvollen Regenbogen entschädigte.
Am 19. Juli ging es in der Fortsetzung des Dolomitenhöhenweges Nr. 2 durch das Val die Tita hoch zur Pisciadù-Hochfläche und weiter in Richtung Piz Boé. Der von einem Teil der Gruppe angegangene Aufstieg zum Gipfel des Pisciadù (2.985 m) musste jedoch schon in Sichtweite des Gipfelkreuzes wegen eines schnell hereinziehenden Unwetters abgebrochen werden. Und tatsächlich erreichten wir noch gerade rechtzeitig vor dem ganz großen Platzregen bei schon verminderten Sichtverhältnissen die Boé-Hütte (2.871 m), wo wir uns aufwärmen, trocknen und mit ladinischen Spezialitäten stärken konnten. Mit neuen Kräften wagten dann Einige sogar noch den Aufstieg auf den Piz Boé (3.152 m), bevor wir uns an der Hütte in der Forcella di Pordoi (2.848 m) wieder trafen und angesichts einer neuen Gewitterfront für den Abstieg mit der Seilbahn (15 €) ab dem Sass Pordoi (2.950 m) optierten. Mit dem Linienbus ging es vom Pordoipass weiter zum Sellajochhaus und dann, erneut in tobendem Gewitter, mit einer sehr abenteuerlichen Seilbahn (21 €) in eiförmigen engen Zweiergondeln bis direkt vor die Toni-Demetz-Hütte in der Langkofelscharte (2.685 m).
Diese Hütte ist nach dem jungen Bergführer Toni Demetz benannt, der in den 50er Jahren bei einem Unwetter am Langkofel vom Blitz erschlagen wurde, und noch heute im Besitz seiner Familie.
Am nächsten Morgen, dem 20. Juli, steigen wir zunächst fast 400 hm ab zur Langkofelhütte (Rifugio Vicenza), wo wir einen netten Plausch mit dem gerade zum Dienst antretenden Koch führen können. Diese Hütte wäre durchaus auch eine Option gewesen. Anschließend geht es in recht gemütlichem Auf und Ab entlang der Waldgrenze am Fuße des Plattkofel zur hochmodernen Plattkofel-Hütte (2.300 m).
Angesichts sich türmender Stratocumulus-Wolken entscheidet sich die Mehrzahl der Teilnehmer für einen gemütlichen Ausklang auf der Hüttenterrasse anstelle des Aufstiegs zum Gipfel des Plattkofel (2.956 m). Ein hier als „Merenda di camminante“ (Imbiss des Wanderers) angebotenes Brotzeitbrett ist tatsächlich sehr reichhaltig. Leider gibt es abends hier nicht die volle Auswahl der wirklich verlockenden Speisekarte, sondern lediglich ein 3-Gang-Wahlmenü, das aber auch nicht enttäuscht.
Die Woche ist wirklich wie im Flug vergangen; schon ist der 21. Juli und damit der Tag der Heimreise gekommen. Nochmals erleben wir auf dem Friedrich-August-Weg zum Sellajoch wunderschöne Ausblicke, blühende Almwiesen und vorwitzige Murmeltiere. Punktgenau erwischen wir einen Linienbus zum Plan de Gralba. Dort steht schon der Anschlussbus nach St. Ulrich/Ortisei bereit, sodass wir gegen 11.00 Uhr die Rückfahrt antreten können. Leider haben wir diesmal mit einem höheren Verkehrsaufkommen zu kämpfen und erreichen erst gegen 23.00 Uhr wohlbehalten Koblenz.
Es war eine erlebnisreiche, aber auch anstrengende Wanderwoche. Verteilt auf eine Gehzeit von etwa 50 Stunden waren insgesamt 85 km mit Aufstiegen von 6670 hm und Abstiegen von 5470 hm, fakultative Varianten inclusive, zu bewältigen. Für Übernachtung und Verpflegung haben wir aufgrund gestiegener Hüttenpreise meist 80-100 € pro Tag aufgewendet, wurden hierbei aber auch mit guter alpenländischer Küche verpflegt.
Besonderer Dank für die gelungene und vielseitige Tour gebührt unserer Ausbildungsleiterin Jutta und Jürgen.
(Fotos: Teilnehmer und Text: Alexandra Meerfeld)
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