Vom „wildesten Gebirge der Alpen“ spricht Ralf Gantzhorn in seinem Bericht „auf Messers Schneide“.
Wild und eindrucksvoll zeigen sich die zerklüfteten Gipfel der Dauphiné, einsam und ursprünglich die Landschaft des Écrins Nationalparks.
Schon 2011 begeisterte uns dieses Gebiet südlich des Mont Blanc, als wir die südlichesten 4000 er mit dem Barre des Écrins und Dôme de Neige bestiegen. Nun versprachen uns die aktuellen Einträge im Bergportal „camptocamp“ wieder, trotz der hohen Temperaturen dieses Sommers, eindrucksvolle Bergerlebnisse.
Am Ende des La Vallouise Tals liegt der kleine Weiler Ailefroide, im Winter verlassen, im Sommer ein Mekka für Bergsportler und letzte Etappe auf dem Weg zu den höchsten Besteigungen im Süden des Écrins Massifs.
Wir übernachteten auf dem Refuge Glacier Blanc mit Blick auf den Pelvoux, nicht ohne die schon damals leckeren Blaubeertörtchen probiert zu haben und begannen den nächsten Tag mit einem Frühstück um 4:00 Uhr ohne Blaubeertörtchen.
Wir stiegen am Rande des Glacier Blanc über mit Steinmännern gut markierten Weg über Blockwerk und Gletscherschliffplatten auf, querten ein paar letzte Firnreste bis wir die Nordflanke auf den Grat erreichten, der uns luftig zum Gipfel des Pic du Glacier d´Arsine (3.364m, F+, II) führte- was ein Panorama!
Nach dem Abstieg ging es steil hinunter auf den aperen Glacier Blanc und nach Umgehung einer letzten großen Spaltenzone folgte der unangenehme steile Hüttenaufstieg. Nach 170 hm erreichten wir das Refuge Écrins, vis à vis der vereisten Südwand des Barre des Écrins.
2:45 Uhr Wecken, 3:00 Uhr Frühstück, so begann der folgende Tag zum nach Barre des Écrins und Dôme de Neige dritthöchsten Gipfel in dieser Runde, der 3.730 m hohe Roche Faurio (PD+, III+).
Nach einem langen Gletschermarsch zick zack durch das Spaltengewirr des Glacier Blanc zunächst Richtung Col des Écrins folgte ein unter den aktuellen Bedingungen anspruchsvoller Aufstieg über steile, spaltendurchsetzte Blankeispassagen- mit PD hatten die Eisverhältnisse nichts mehr zu tun....
Über einen Hauch einer Schneebrücke über den Bergschrund gings über eine 40° steile Eiswand zum ersten Grataufschwung und zum Schluß über den herrlich ausgesetzten festen Grat zum Gipfel- Zeit für eine ausgedehnte Gipfelrast blieb nicht, denn die Hitze machte den Rückweg über die aufgeweichten Spaltenbrücken und die im unteren Bereich flankierenden Felswände mit Steinschlag gefährlich.
Unsere nächsten Gipfelziele lagen quasi auf der Rückseite des Écrins Massifs und so ging es über die sehenswerte UNESCO Weltkulturerbe-Stadt Briancon mit ihren Festungsanlagen und der romantischen Altstadt mit ihren engen Gassen und kleinen Cafes über die Pässe der Tour de France durch La Grave hindurch mit einem fantastischen Blick auf die hochaufragende imposante Nordwand der Meije.
Durch das idyllische Tal Vallee Veneon fuhren wir weiter bis zu dessen Ende in das kleine Örtchen La Berarde.
1.150 Höhenmeter Aufstieg lagen vor uns auf dem Weg zur Soreiller-Hütte, beim Anblick des steilen Zahns der Aiguille Dibona verschlug es uns die Sprache…da wollen wir hoch…?
Doch am Folgetag überschritten wir zunächst einmal die Aiguille Orientale du Soreiller (3.280m, PD, III) mit ihrem langen und ausgesetzten Südgrat.
Nach mehreren Steilaufschwüngen erreichten wir den Gipfel bevor wir den Abstieg über den ausgesprochen unangenehmen, an den Nerven zehrenden Ostgrat mit mehrfachem Ausweichen in die unübersichtliche bröselige Südflanke angingen.
Am Ende des Tages waren wir froh, rechtzeitig zu Kaffee und Kuchen auf der Hütte heil angekommen zu sein und den Murmeltieren beim Spielen und Toben vor der Hütte zuschauen zu können.
Im Frühsommer wird, um den Einstieg zur Route „Voie du nain“ zur Breche de Clochetons zu erreichen, ein steiles Firnfeld mit Eisgeräten passiert, jetzt gings steil in Schutt und Brösel aufwärts- aber dann folgte eine herrliche alpine Kletterei bis 5a in rauhem Granit.
Vom Ausstieg quert man unter den Clochetons zur Breche Gunneng und auf den letzten zwei ausgesetzten Seillangen über die Nordkante der Aiguille Dibona ging es auf die Nadelspitze- viel Platz ist da nicht- was für ein Erlebnis!
Nach einer weiteren Nacht auf der Soreiller Hütte bei einem guten Glas Wein und netten Gesprächen mit netten Leuten ging es wieder zurück ins Tal, während unser Blick über die wilden Gipfel und Gletscher der Dauphine schweifte….
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