Eine Woche Hochtourenkurs im Kaunertal: Gletscher, Eis, Fels, frühes Aufstehen, müde Beine und jede Menge neue Erfahrungen. Was uns erwartete, wurde jedoch schnell zu mehr als einem Ausbildungskurs. Es wurde eine Woche voller gemeinsamer Erlebnisse, spannender Touren und unvergesslicher Momente.
Unser Ziel war die Rauhekopfhütte im Kaunertal in Österreich. Mit dabei war unser Bergführer Heli, der uns mit seiner großen Erfahrung und seiner ruhigen, souveränen Art durch die Woche begleitete.
Am ersten Tag fuhren wir ins Kaunertal und parkten oberhalb des Stausees am „Oberen Garten“. Von dort stiegen wir zur Rauhekopfhütte auf. Ein Teil des Weges führte bereits über den Gletscher. Nach etwa drei Stunden erreichten wir schließlich die Hütte.
Zunächst hieß es: Bettenlager beziehen, Rucksäcke umpacken und Material sortieren. So langsam kamen wir an und gewöhnten uns an Höhe und Hüttenleben. Dass wir uns ab jetzt mitten im alpinen Gelände befanden, wurde uns schnell bewusst: Bereits am ersten Abend konnten wir die ersten beiden Steinschläge beobachten.
Standplätze, Seilschaften und Eisklettern
Die erste Nacht im Lager war für einige von uns eher kurz. An Höhe, ungewohnte Betten und die Geräusche einer Hütte muss man sich schließlich erst (wieder) gewöhnen.
Am nächsten Morgen ging es früh los. Wir stiegen zunächst wieder ein Stück zum Gletscher ab und anschließend zu einem Bereich mit größeren Gletscherspalten auf. Dort übten wir den Standplatzbau mit Eisschrauben. Anschließend ging es in teilweise Zweier-Seilschaften in Mehrseillängen nach oben. Dabei konnten wir die zuvor besprochenen Techniken direkt im Gelände anwenden.
Als zweite Übung stand Eisklettern auf dem Programm. Heli suchte eine geeignete Stelle aus und richtete verschiedene Routen ein. Mit Steigeisen und Eisgeräten im Eis nach oben zu steigen, machte jede Menge Spaß.
Zurück auf der Hütte wartete schon wieder das nächste Highlight: das Abendessen. Unsere lieben (ehrenamtlichen) Hüttenwirte bereiteten jeden Abend Essen für uns zu. Die Familie, die die Hütte während unseres Aufenthalts bewirtschaftete, war unglaublich herzlich. Wir hatten Glück mit unseren Gastgebern. Denn die Hütte wird in zwei Wochen Etappen von ehrenamtlichen DAV Sektionsmitgliedern bewirtet und nicht von einem professionellen Hüttenteam. Eins der Besonderheiten dieser Hütte. Vor allem der selbstgebackene Kuchen zauberte uns jeden Tag ein lächeln ins Gesicht.
Nach dem Abendessen stand allerdings noch die Tourenplanung auf dem Programm. Unser nächstes Ziel sollte die Weißseespitze mit rund 3.518m werden. Damit war auch klar: Am nächsten Morgen würde der Wecker sehr früh klingeln.
Sonnenschein an der Weißseespitze
Bei bestem Wetter starteten wir am nächsten Morgen zur Weißseespitze. Mit zunehmender Höhe wurde das Gelände anspruchsvoller. Im oberen Bereich sicherten wir uns über mehrere Standplätze. Abwechselnd ging es voran, während die anderen nachstiegen.
Und dann war es geschafft: das Gipfelkreuz. Oben angekommen, machten wir erst einmal ausgiebig Mittagspause. Einige waren offenbar so entspannt, dass sogar noch eine kurze Runde Schlaf möglich war. Die Aussicht und das gemeinsame Gipfelerlebnis entschädigten für den frühen Start und die Anstrengungen.
Anschließend ging es wieder zurück zur Hütte. Müde, aber glücklich.
Regen statt Sonnenschein
Am nächsten Morgen zeigte sich das Kaunertal von seiner anderen Seite. Regen statt Sonnenschein. Deshalb verbrachten wir den Vormittag zunächst auf der Hütte und widmeten uns ausführlich der Materialkunde.
Mittags legte der Regen kurz eine Pause ein. Das nutzten wir und stiegen zu einem eingerichteten Übungsfels auf. Dort stand die Selbstrettung auf dem Programm. Leider hielt die Regenpause nicht lange an, sodass wir schon bald wieder zur Hütte zurückkehrten, um uns aufzuwärmen.
Am Mittwoch wartete die Mittlere Hintereisspitze mit rund 3.450 m auf uns. Auch dieses Mal stand wieder eine selbstständig geplante Tour auf dem Programm. Bei bestem Wetter konnten wir zunehmend eigenständig das anwenden, was wir in den vergangenen Tagen gelernt hatten.
Eine Nacht auf der Vernagthütte
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker noch früher. Aufgrund der Steinschlaggefahr mussten wir zeitig los, um über das Gepatschjoch zur Vernagthütte zu gelangen.
Wieder ging es über Gletscher. Unterwegs nutzten wir die Gelegenheit, die Spaltenbergung nochmals zu üben. Was zuvor im Rahmen der Ausbildung geübt worden war, bekam im echten Gelände noch einmal eine ganz andere Bedeutung.
Am Ende des Tages erreichten wir die Vernagthütte. Nach den vielen Stunden im Gelände hieß es vor allem: ankommen, essen und schlafen.
Durch Regen und Sturm zur Rauhekopfhütte
Am Freitagmorgen machten wir uns über das oberes Guslar Joch wieder auf den Weg Richtung Rauhekopfhütte. Das Wetter wurde zunehmend schlechter. Der Wind nahm immer weiter zu und erreichte etwa 70 bis 80 km/h, dazu kam teilweise Regen.
Wir entschieden uns deshalb, auf der Brandenburger Haus einen längeren Zwischenstopp einzulegen. Bei Kuchen und Kaiserschmarrn konnten wir neue Energie tanken und dem Wetter etwas Zeit geben.
Anschließend ging es weiter zu einer riesigen Gletscherbucht. Dort fanden wir einen relativ windgeschützten Bereich und konnten zum Abschluss noch einmal Eisklettern in steiles Eis üben.
Abschied nach einer besonderen Woche
Die letzte Nacht verbrachten wir noch einmal auf der Rauhekopfhütte. Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen. Gemeinsam stiegen wir zu unseren Autos ab.
Hinter uns lag eine Woche voller Eindrücke: frühe Morgenstunden, lange Aufstiege, Gletscher, Spalten, Eisschrauben, Standplätze, Eisklettern, Gipfel, Regen und Sturm – vor allem aber viele gemeinsame Erlebnisse.
Ein besonderer Dank gilt unserem Bergführer Heli. Mit seiner großen Erfahrung und seiner ruhigen Art hat er uns sicher durch die Woche geführt und uns immer wieder die Möglichkeit gegeben, Neues auszuprobieren und Verantwortung zu übernehmen. Ein weiterer Dank geht an János Palik, der uns ebenfalls mit Wissen bereichert hat.
Die Woche hat uns wieder mal gezeigt, wie faszinierend die Welt aus Eis und Fels ist – und wie viel Spaß es macht, sie gemeinsam zu entdecken.
Ein Bericht von Viktoria Homm