Datum der Tour: 30.08.2026 bis 05.09.2026
Ort / Basis: Mayrhofen Hippach Zillertal, Österreich
Ausrüstung: Klettersteigset, Helm, Gurt, Kletterschuhe, Rastschlinge
Eine ganze Woche im Zeichen des vertikalen Felses: Ende August machten wir uns auf den Weg ins Tiroler Zillertal, um eine intensive Klettersteig-Woche zu absolvieren. Das Zillertal gilt als eines der vielseitigsten Eldorado-Gebiete für Klettersteiggeher in den Alpen. Unser Plan war ambitioniert – tägliche Etappen, die uns von klassischen Einsteigerrouten bis hin zu den anspruchsvollsten Extrem-Klettersteigen der Region führen sollten. Immer an unserer Seite waren dabei zwei erfahrene Ausbilder. Sie standen uns nicht nur jederzeit mit Rat und Tat zur Seite, sondern sorgten mit zusätzlichen Sicherungsseilen für das nötige Vertrauen, wann immer es die Situation erforderte oder sich die Teilnehmer unsicher fühlten.
Ergänzend zum Klettern war die Woche auch eine extrem lehrreiche Ausbildung: In intensiven Theorieeinheiten und durch anschauliche praktische Beispiele der Ausbilder lernten wir alles über die Selbstrettung im Steilwandgelände. Zudem stand die fundierte, eigene Tourenplanung auf dem Programm, um künftige Abenteuer selbstständig und sicher vorbereiten zu können.
Tag 1: Perfekter Auftakt zum Warmwerden
Unsere Tourenwoche startete bei bestem Spätsommerwetter mit zwei Klassikern in Mayrhofen. Zum Warmwerden wählten wir den Huterlaner Klettersteig (C). Die Route führte uns über abwechslungsreiche
Wald- und Felsstufen und bot den idealen Einstieg, um das Vertrauen in Material und Tritttechnik aufzufrischen. Nach einer kurzen Rast ging es direkt weiter zur Pfeilspitzwand (C/D). Dieser Steig forderte
uns in den steileren Passagen schon etwas mehr und bot wunderschöne Tiefblicke auf Mayrhofen. Ein gelungener erster Tag, der Lust auf mehr machte.
Tag 2: Wasserrauschen und Waldidylle
Am zweiten Tag stand die Kombination aus dem spektakulären Talbachklettersteig und der Riederklamm auf dem Programm. Der Talbachklettersteig (Schwierigkeit bis D) verläuft direkt neben einem tosenden
Wasserfall – die Gischt auf der Haut und das permanente Rauschen machten die Kletterei zu einem echten Erlebnis für die Sinne. Nachmittags wechselten wir zur Riederklamm in Gerlos. Die verschiedenen Routen
dort boten griffigen Fels und forderten in den ausgesetzten Passagen volle Konzentration, während unter uns die Wildbachschlucht lag.
Tag 3: Alpine Wandfluchten und Sportklettersteig
Der dritte Tag brachte uns zur mächtigen Gerlossteinwand (D). Dieser alpine Klassiker führt durch eine 240 Meter hohe, fast senkrechte Kalkwand. Die anhaltende Steilheit verlangte ordentlich Kraft in den Oberarmen und eine saubere Fußarbeit. Belohnt wurden wir am Gipfel mit einem grandiosen Panorama über die Zillertaler Alpen.
Tag 4: Das Highlight im Rofan
Mitte der Woche verließen wir das Zillertal kurz für ein absolutes Highlight: den Rofan 5-Gipfel-Klettersteig. Diese gewaltige Rundtour verbindet einen Fünferpack markanter Gipfel (u.a. Haidachhochach und Rosskopf). Jede Sektion hat ihren eigenen Charakter, von mäßig schwierig bis hin zu extrem ausgesetzten D-Passagen. Der ständige Wechsel zwischen Klettern am straffen Stahlseil, luftigen Gratübergängen und fantastischen Ausblicken auf den Achensee machte diesen Tag zum landschaftlichen Höhepunkt unserer gesamten Woche.
Tag 5: Der krönende und extreme Abschluss
Als finalen Höhepunkt hatten wir uns die berüchtigte Nasenwand in Ginzling aufgehoben. Dieser Steig im extremen Schwierigkeitsgrad E verzeiht keine Fehler. Schon der Einstieg zeigt, wo es langgeht: senkrecht
und überhängend. Die Schlüsselstellen an der glatten Felswand ("Die Nase") forderten uns alles ab. Mit brennenden Muskeln, maximalem Adrenalin und eiserner Willenskraft kletterten wir Schritt für Schritt nach
oben. Das Gefühl, den Ausstieg aus eigener Kraft geschafft zu haben, war schlicht unbeschreiblich.
Fazit: Fünf Tage, neun Klettersteige und unzählige Höhenmeter am Seil. Diese Woche im Zillertal hat uns sportlich gefordert, landschaftlich tief beeindruckt und als Seilschaft noch enger zusammengeschweißt.
Dank des professionellen Rückhalts unserer beiden Ausbilder, die in den Schlüsselpassagen stets für maximale Sicherheit sorgten, konnte jeder über sich hinauswachsen. Und auch wenn unsere Hände durch
die unzähligen Blasen am rauen Stahlseil ein echtes, schön blutiges Erlebnis hinter sich haben – für diese Momente des Glücks hat sich jeder fehlende Millimeter Hornhaut mehr als gelohnt!
Björn Sickert