Drei-Generationen-Hüttentour der Familiengruppe im Zillertal

Bei der Programmbesprechung der Familiengruppe im vergangenen Jahr bekamen wir Besuch von Dieter Pelikan, der sonst in der Wandergruppe aktiv ist. Er hatte einen besonderen Vorschlag im Gepäck: Wie wäre es mit einer generationenübergreifenden Hüttentour? Dieter wollte schon länger gemeinsam mit seinen Enkelinnen eine mehrtägige Bergtour unternehmen und dachte sich: Weitere Familien mit Kindern wären als Begleitung doch perfekt!

Eine passende Tour im Zillertal hatte er ebenfalls schon ausgearbeitet. Dank der kurzen Etappen sollte sie auch für Familien mit Kindern gut machbar sein. Schnell war beschlossen: Da machen wir mit!

So kam eine bunt gemischte Gruppe zusammen – mit Großeltern und Enkeln, Eltern und Kindern. Zum Glück war Dieter beim Buchen auf Zack und sicherte uns die begehrten Hüttenschlafplätze, sobald das Buchungsportal die Reservierung freigab.

Start an der Olperer Hütte

Ende Juli war es endlich soweit. Bei traumhaftem Sommerwetter traf sich (fast) die gesamte Gruppe am Schlegeisspeicher zum Start der Tour. Eine Familie hatte am Vortag leider eine Autopanne und musste ungeplant wieder umkehren – sehr schade!

Beim Schnüren der Wanderschuhe gab es dann direkt das erste Abenteuer: Die Schuhe von Dieters Enkelin Emma fielen auseinander, die Sohle löste sich komplett ab! Damit war an einen Aufstieg zunächst nicht zu denken. Also machten Dieter und Emma direkt wieder kehrt, fuhren die Mautstraße zurück ins Tal – und gingen erst einmal auf Schuh-Shopping-Tour.

Der Rest der Gruppe machte sich derweil an den steilen Aufstieg zur Olperer Hütte. Ungewohnt war dabei vor allem die Menschenmenge: Statt des sonst eher beschaulichen Hüttenanstiegs bewegten wir uns in einer regelrechten Karawane den Berg hinauf. Wir hatten zwar schon gehört, dass der Weg zur Olperer Hütte durch einen beliebten „Instagram-Hotspot“ in den vergangenen Jahren deutlich voller geworden war – dass uns dort allerdings so viele Menschen erwarten würden, hat uns doch überrascht.

Einige Pausen und jede Menge Gummibärchen später erreichten wir nach rund 600 Höhenmetern unser Quartier für die nächsten beiden Nächte: die Olperer Hütte auf 2.389 Metern.

Die Kinder waren begeistert: Hier gab es Ziegen, Schafe, Hühner und Meerschweinchen; dazu einige Spielgeräte, die man in den Bergen so nicht erwarten würde – und auch die großen Jungs hatten plötzlich wieder Spaß an den Bobbycars…

Als der Trubel der Tagesgäste am Nachmittag langsam abebbte, nutzten natürlich auch wir den berühmten Fotospot auf der Hängebrücke für ein paar spektakuläre Aufnahmen. Immerhin ohne langes Schlangestehen!

Lager und Zimmer waren schnell bezogen und so freuten wir uns auf das leckere Abendessen und eine anschließende Spielerunde. Das obligatorische Werwolfspiel wurde an diesem Abend von einem wunderschönen Mondaufgang hinter der Bergkette begleitet – einfach traumhaft.

Tagestour zum Riepenkopf

Am nächsten Tag stand der Riepenkopf (2.905 m) auf dem Programm. Das Gipfelkreuz motivierte Groß und Klein bis ganz nach oben zu kommen. Auf dem letzten Stück war sogar leichte Kletterei gefragt – natürlich viel cooler, als einfach nur zu wandern!

Stolz erreichten auch unsere jüngsten Teilnehmerinnen, Karina (5) und Ella (6), den Gipfel. Bevor es zurück ging wurde ein Schneefeld noch für eine kleine Schneeballschlacht genutzt.

Nach dem Abstieg warteten als Belohnung Kaiserschmarren und Kaltgetränke auf der Hütte. Außerdem hatte der Kleintiergehege Zuwachs bekommen: Ein Kaninchen war aus dem Tal hochgetragen worden und neu eingezogen - die Kids beobachteten gespannt, wie es sich einlebte und die anderen Tiere kennenlernte. 

Weiter zum Friesenberghaus

Nach einer weiteren Nacht hieß es am nächsten Morgen: Rucksäcke packen, frühstücken und noch ein letztes Mal über die Hängebrücke. Anschließend folgten wir dem Berliner Höhenweg weiter zu unserem nächsten Ziel, dem Friesenberghaus auf 2.498 Metern.

Hier ging es bereits deutlich ruhiger zu. Wir genossen das herrliche Panorama und freuten uns über einen kleinen See ganz in der Nähe der Hütte, der zu einer Erfrischung einlud. Zahlreiche Kinder und Erwachsene wagten sich in das eiskalte Wasser. Manche schafften sogar richtige Schwimmzüge – trotz ordentlich Schnappatmung!

Inzwischen waren die Kinder zu einer richtigen Gruppe zusammengewachsen. Bei den Mahlzeiten hatte sich deshalb ganz selbstverständlich eine neue Sitzordnung etabliert: Ab sofort gab es einen Kindertisch und einen Erwachsenentisch.

Zwei Gipfelziele, eine Gruppe

Am nächsten Tag teilte sich die Gruppe auf und nahm unterschiedliche Tagesziele in Angriff.

Die älteren Kinder hatten sich den Hohen Riffler vorgenommen – mit 3.231 Metern endlich ein echter Dreitausender! Dazu gab es längere leichte Kletterpassagen. Hier waren Konzentration, Trittsicherheit und Durchhaltevermögen gefragt. Umso größer war der Stolz, als schließlich alle das Gipfelkreuz erreichten.

Die Familien mit den jüngeren Kindern machten sich derweil auf den Weg zum Petersköpfl (2.677 m), einem „magischen Ort mit einer ganzen Armee von Steinmännern“. Und tatsächlich: Es war beeindruckend, wie viele Steinmännchen und kleine Steinbauten sich dort versammelt hatten. Natürlich konnten auch wir es nicht lassen und bauten noch ein paar dazu. Flo und Simon gingen sogar noch einen Schritt weiter und errichteten eine kleine Steinbrücke.

Abschied vom Zillertal

Am nächsten Morgen war es bereits so warm, dass wir unser Frühstück auf der Terrasse einnehmen konnten. Noch einmal genossen wir den Blick auf die beeindruckende Bergwelt ringsum.

Langsam machte sich Wehmut breit – schließlich stand für heute der Abstieg an. Gleichzeitig wuchs aber auch die Vorfreude auf frische Kleidung, eine warme Dusche und das eigene Bett.

Der Abstieg war abwechslungsreich und führte immer wieder entlang eines Baches, über kleine Brücken und schmale Pfade. Schritt für Schritt kam der Schlegeisspeicher näher. Eine knappe Woche lang hatten wir auf den See immer wieder aus unterschiedlichen Perspektiven hinabgeschaut – nun waren wir bald wieder unten angekommen.

Nicht mehr lange, und wir waren zurück in der Zivilisation, bei unseren Autos und der gewaltigen Staumauer.

Nach einer letzten gemeinsamen Verabschiedungsrunde machte sich die Gruppe auf den Heimweg. Im Gepäck: viele Gipfelerlebnisse, kalte Füße im Bergsee, neue Freundschaften, unzählige Gummibärchen – und vor allem die Erkenntnis, dass eine Hüttentour mit drei Generationen wunderbar funktioniert.

Text: Milena Bennewitz