Vom 24. bis 29. Juli wanderte die Familiengruppe einen Teil des Stubaier Höhenweges. Insgesamt sechs Familien nahmen an der fast schon traditionell stattfindenen Hüttentour teil. Für Janine und Uwe Henning war diese gleichzeitig auch die letzte Veranstaltung in der Funktion als Familiengruppenleiter. Diese Aufgabe übernehmen nun Grynet und Jörg Dauer.
Besonderheit an den folgenden Bericht ist, dass dieser von den Kindern verfasst wurde. Viel Spaß beim Lesen.
Tag 1 – Aufstieg zur Dresdener Hütte
Nach einer langen Zug- oder Autofahrt ging es mit dem Bus auf 1.400 Meter. Anschließend zu Fuß auf die Dresdner Hütte. Der Anstieg war sehr steil und dauerte mit Pausen rund zwei Stunden. Die Hütte hatte eine schöne Lage und gemütliche Betten. Das Essen war sehr gut und es gab zum Frühstück Brötchen.
Nach einer erholsamen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück vom Buffet starteten wir bei herrlichem Sonnenschein zu unserer ersten „richtigen“ Etappe. Von der schönen Sonnenterrasse der Dresdner Hütte konnten wir schon den bevorstehenden Aufstieg erahnen und wussten, wir müssen zügig los bevor die Sonne komplett über den Berg kam. Der Weg führte zunächst etwas bergab zur Mittelstation der Stubaier Gletscherbahn. Von dort querten wir über eine kleine Brücke den Fernaubach und stiegen dann durch Geröllhalden immer steiler werdend auf zum Peiljoch (2.676 m). Oben angekommen eröffnete sich uns ein mega Panorama über den Sulzenauferner mit dem darunter liegenden Gletschersee. Zügig stiegen wir hinab, denn jeder wollte sich die Hände und Füße im Gletscherwasser kühlen.
Nach einer kleinen Stärkung wanderten wir weiter entlang des schönen Gletscherbaches zur Sulzenauhütte. Wir ließen es uns noch etwas auf der Sonnenterrasse der Hütte bei kühlen Getränken, Kaiserschmarrn und Kuchen gut gehen und stiegen am Nachmittag auf zur „Blauen Lacke“. Dieser Muränensee entstand erst 2017 durch einen Gletscherabbruch und erhält seine ausgeprägte blau-türkise Färbung durch das Gletscherwasser. Alle waren mega mutig und nahmen ein Bad im eiskalten See. Den Tag ließen wir gemütlich in der Hüttenstube ausklingen.
Schon am ersten Tag mussten wir einige Verluste verzeichnen. Louis hat seine schöne Kappe im tosenden Gletscherbach verloren. An Jonathans Rucksack war der Reißverschluss kaputt und ging nicht mehr zu, so dass alles rausfallen würde und an Jacobs Wanderschuhen lösten sich die Sohlen. Vom Hüttenwirt bekamen wir Klebeband und konnten so provisorisch den Rucksack und die Schuhe reparieren. Er empfahl uns, dass Jakob mit seiner Mutter am nächsten Tag von der Hütte abstieg, um zum nächstgelegenen Sportgeschäft zu fahren und neue Schuhe zu kaufen. Doch es sollte anders kommen…
Es regnete und gewitterte die ganze Nacht. Am Morgen war es noch neblig und es kamen immer wieder Regentropfen runter. Gleich beim Frühstück bekamen wir die Nachricht, dass ein Schuhkauf für Jakob leider nicht mehr möglich war. Es hat in der Nacht so stark geregnet, dass im Stubaital einige Muren abgegangen sind und diese die Straße zum Sportladen unpassierbar machten. Was tun??? Es nützt ja nichts, wir mussten weiter. Nach dem Frühstück haben wir Jakobs Schuhe noch mal ordentlich mit Klebeband und allen verfügbaren Schnürsenkel und sonstigen Bändern zusammengeschnürt. Wir versuchen es…
Gleich nachdem wir alle unsere Regenjacken angezogen hatten und alle Rucksäcke in der Regenhülle verpackt waren, hörte natürlich der Regen auf. Also - alles wieder ausziehen und endlich los. Die heutige Etappe führte von der Sulzenauhütte zunächst über mehrere Bäche hinauf zum Grünausee. Der ebenfalls türkis-blaue See mit seinem schönen Ufer lud uns zu einer entspannten Rast ein. An weiteren Bergseen vorbei ging es weiter bergauf bis zu unserem höchsten Punkt am heutigen Tag - dem Niederl mit 2.680 m. Oben zog immer mehr Nebel auf und der Wind pfiff über den Kamm. Die Gipfelrast verschoben wir auf die Hütte, zu der wir zügig mit Hilfe einiger unproblematischen Drahtseilversicherungen absteigen konnten.
Ein paar von uns chillten im großzügigen Lager, andere probierten sich auch hier durch die verschiedenen Tiroler Leckereien, während Uwe und Catherine sich kurzerhand ein Klettersteigset liehen und den Klettersteig nah der Hütte durchstiegen. Und ja - Jakobs Schuhe hielten der Wanderung ganz gut Stand. Der nette Hüttenwirt kümmerte sich darum und klebte sie über Nacht. So ging ein weiterer Tag mit Spiel und ganz viel Spaß in der gemütlichen Hüttenstube zu Ende.
Tag 4 von der Nürnberger Hütte zur Bremer Hütte
Die nächste Etappe forderte uns alle auch noch einmal kräftig. Jeder hoffte, dass die Schuhe von Jacob hielten aber auch das Wetter war alles andere als vertrauenserweckend. Die Wolken hingen tief in den Bergen und die Sicht wurde immer schlechter je höher wir wanderten. In Erinnerung bleibt das sogannte Paradies. Das kleine Hochmoor hatte mit dem Nebel etwas mysthisches. Immer höher und schier unendlich wand sich der Weg auf über 2.700 m zum Simmingjöchl. Danach ging ist über verblocktes Gelände zur Bremer Hütte. Auch wenn der Kleber an Jacobs Schuhen sich langsam wieder löste, die Sohle blieb am Schuh.
Tag 5 – von der Bremer Hütte zur Innsbrucker Hütte
Der Hüttenwirt empfahl uns aufgrund des Wetters und der anspruchsvollen Etappe mit einigen Klettereien den Abstieg ins Tal. Also wanderten wir steil runter zur Materialseilbahn. Die Blaubeeren haben auf dem Weg dorthin auch sehr gut geschmeckt. Ein Wasserrad kam auch in Sicht. Ein Taxi fuhr uns dann zur Material-Seilbahn der Innsbrucker Hütte. Wir haben fast alle Rucksäcke abgegeben und sind danach wieder aufgestiegen. Alina und Nele sind vorne gelaufen. Die Hitze machte uns zu schaffen und nur selten gab es Schatten für uns. Von einer Bank aus haben wir unsere Hütte gesehen. Sie war nah, und trotzdem noch so weit weg. Auf dem Weg mussten wir eine Schafherde durchqueren. Für mich war das etwas angsteinflößend. Doch Jakob hatte keine Angst vor den Tieren und streichelte einfach ein Schaf. Der Rest war gut und nach über 1.000 Höhenmeter waren wir endlich auf der Hütte.
Clara, Milo und Uwe sind den eigentlichen Höhenweg gegangen. Clara meinte, sie sind durch ein großes Geröllfeld gegangen und das es einige Klettereien gab.
Nach gestrigen „Königsetappe“ stand heute nur der Abstieg auf dem Programm. Bei gutem Wetter wanderten wir Richtung Elferbahn. Es war entspannt und dennoch schön. Der Wald spendete Schatten und wir blickten zurück auf fünf erlebnisreiche Hüttentage. Während ein Teil mit der Bahn zurückfuhren, stand für die Familie Dauer noch ihre einwöchige Ausbildung zum Familiengruppenleiter auf dem Programm. Fazit von allen: Schön war es.
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