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Grundkurs Hochtouren 2026

„Ding… Ding… Ding…” Oft muss ich auf der zehnstündigen Heimfahrt an die Klingel von Halli Galli, ein Spiel aus dem Hüttenvorrat, denken. Man sollte sie drücken, sobald exakt fünf gleiche Früchte auf den Spielkarten zu sehen waren. Laurin hingegen interpretierte die Regeln eher kreativ und behandelte die Klingel regelmäßig, als müsse er sie zertrümmern. Die unmittelbare Folge war jedes Mal dieselbe: lautstarkes Gelächter. Und genau dieses Gelächter zieht sich wie ein roter Faden durch meine Erinnerungen an diese Woche. Egal ob bei der Tour, Theorie oder einfach zwischendurch – es gab immer etwas zu lachen. Was für eine Woche…

Nun beginnen wir jedoch ganz von vorne.

Samstag, 13.06.2026, 4:00 Uhr morgens. Während andere um diese Uhrzeit gerade aus der Kneipe stolpern, saßen wir bereits geschniegelt und gesattelt auf dem Gelände der Sektion – bereit für das Abenteuer der kommenden Woche. Zumindest körperlich. Geistig befanden sich einige von uns noch im Tiefschlaf, weshalb die ersten Stunden der Fahrt von wohltuender Stille und gelegentlichem Schnarchen geprägt waren.

Irgendwann erreichten wir – leicht verspannt, aber voller Vorfreude auf die bevorstehenden Tage – die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Der dreistündige Zustieg zur Hütte verging überraschend schnell, und ehe wir uns versahen, standen wir vor unserem Zuhause für die nächste Woche: der Oberwalderhütte auf 2.973 m ü. A.

Die Lager waren rasch bezogen, und schon bald versammelten wir uns zum Abendessen. Dort erwartete uns eine weitere Erkenntnis, die die Woche prägen sollte: der U-förmige Esstisch mit seinen beiden Ausgängen an den Enden. Wer einen Platz im hinteren Bereich ergattert hatte, musste für jeden Gang zum Buffet parkourähnliche Klettereinlagen über die Vorderleute absolvieren. Zugegeben – besonders komfortabel war das nicht. Aber gemeinsam ertragene Hindernisse schweißen bekanntlich zusammen.

Am folgenden Tag wurde es ernst – so ernst, wie es in unserer Gruppe eben werden konnte. Wir begannen damit, die Umgebung der Hütte zu erkunden und die ersten praktischen Inhalte anzugehen. Zunächst übten wir das Anlegen von Spuren im Schnee, bevor wir uns den Rutsch- und Ausgleitübungen widmeten. Je nach Ausgangsposition funktionierte das Selbstbremsen anfangs mal besser und mal schlechter. Nach einigen Versuchen fühlten wir uns jedoch alle deutlich sicherer, im Ernstfall rechtzeitig zum Stehen zu kommen.

Am Nachmittag fanden wir uns bei winterlichen Temperaturen im Seminarraum unter dem Dach der Hütte ein. Während Jonas vorsorglich in zwei Wolldecken eingewickelt war, besprachen wir die Organisation des benötigten Materials. Anschließend führten uns Adrian und János die Spaltenbergung in der Dreierseilschaft mittels loser Rolle vor.

Diese Technik durften wir bereits am nächsten Tag in entspanntem Gelände selbst anwenden. Darüber hinaus wurde uns die klassische Spaltenbergung demonstriert, und wir lernten den Mannschaftszug sowie das Anseilen in der Sechserseilschaft mittels Ziehharmonika-Technik kennen.

Am Nachmittag stand erneut Theorie auf dem Programm. Wir erhielten eine ausführliche Einführung in die Tourenplanung und beschäftigten uns mit weiteren wichtigen Themen wie der Seildisziplin. Den krönenden Abschluss bildete Peters Vorstellung seines Garmin InReach. Die Präsentation war derart detailliert und überzeugend, dass wir uns anschließend ziemlich sicher waren, einen verdeckten Garmin-Vertriebsmitarbeiter in unseren Reihen zu haben.

Besonders beeindruckt schien Bjarne gewesen zu sein. Peters Vortrag hatte offenbar einen so nachhaltigen Eindruck hinterlassen, dass er nachts im Schlaf begann, über Garmins hauseigenes Satellitensystem Iridium zu sprechen. Das nenne ich wahres Verinnerlichen von Lehrinhalten.

Wir starteten früh, denn an diesem Tag stand die erste Hochtour der Woche auf dem Programm: der Johannisberg (3.453 m ü. A.). Zum ersten Mal legten wir die Steigeisen an, seilten uns als Seilschaft an und betraten die Pasterze. Für mich war dieser Moment etwas Besonderes. Die gewaltige Gletscherlandschaft wirkte beinahe unwirklich, und ich konnte mich kaum sattsehen.

Nach gut zwei Stunden Gehzeit erreichten wir den Gipfel des Johannisbergs und wurden mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt: Man sah nichts. Gar nichts. Der Gipfel war vollständig in Wolken gehüllt, und auf den letzten Metern betrug die Sicht stellenweise kaum mehr als fünfzig Meter. Doch auch ohne Panorama war es ein besonderer Moment, schließlich zählt der Weg bekanntlich genauso viel wie das Ziel.

Beim Abstieg betraten wir erstmals die Spaltenzone. Dort konnten wir die am Vortag erlernte Spaltenbergung mittels loser Rolle in ernsthaftem Gelände anwenden – selbstverständlich stets durch zusätzliche T-Anker unserer Ausbilder abgesichert. Einer nach dem anderen verschwand über die Schneekante, bis schließlich jeder Teilnehmer alle drei Positionen der Rettungskette einmal durchlaufen hatte.

Eines stand jedoch fest: Das Getränk auf der Hütte nach diesem langen und fordernden Tag hatten wir uns mehr als verdient.

Am vorletzten Kurstag ging es erstmals aufs Blankeis. Dort erlernten wir die richtige Steigeisentechnik anhand verschiedener Übungen, die nicht selten an ein Zirkeltraining aus dem Sportunterricht erinnerten. Während wir über das Eis stapften, sprang und balancierten, richtete János zwei Topropes ein, sodass wir unsere ersten Erfahrungen im Eisklettern sammeln konnten. Das bereitete uns allen großen Spaß.

Nach einer wohlverdienten Kakaopause auf der Hütte zog es uns erneut nach draußen. Dort stand die Selbstrettung auf dem Programm. Gleichzeitig konnten wir einen weiteren Punkt auf unserer inoffiziellen Kurs-Checkliste abhaken, der bislang noch gefehlt hatte: Regen.

Der letzte Kurstag – und zugleich mein persönliches Highlight – begann mit dem Abseilen vom Klettersteig auf den Gletscher. Anschließend folgten Vorstiegs- und Nachstiegsübungen in einem steilen Schneehang. Zugegeben: Unsere Standplätze waren stellenweise noch etwas kreativ gestaltet, doch der Spaßfaktor war dafür umso größer.

Den letzten Nachmittag verbrachten wir entspannt auf der Hüttenterrasse in der Sonne, ließen die Ereignisse der vergangenen Tage Revue passieren und genossen ein letztes Mal die besondere Atmosphäre dieses Ortes. Und ehe wir uns versahen, war die Woche bereits vorbei.

Eine unvergesslich schöne, lehrreiche und kameradschaftliche Woche liegt hinter uns. Wir kehren mit neuem Wissen, wertvollen Erfahrungen, neuen Freundschaften und unzähligen schönen Erinnerungen nach Hause zurück.

Mein Dank gilt Dirk, Peter, Hanna, Bjarne, Jonas, Laurin, David, Patrick und Leo für die großartige Gemeinschaft und die vielen gemeinsamen Erlebnisse.

Ein ganz besonderer Dank gebührt natürlich unseren Ausbildern János und Adrian, die uns mit viel Geduld, Fachwissen und Humor durch die Woche begleitet und die Kursinhalte hervorragend vermittelt haben.

Bleibt gesund, kommt immer sicher vom Berg zurück – und bis bald!

 

gez. Benjamin Steckel