Nach der erfolgreichen Überschreitung der Aiguilles Doreés (ZS+/S-, 50°, 5c) im Mont-Blanc-Gebiet im letzten Jahr hatten wir uns für dieses Jahr einige ernsthafte und anspruchsvolle Touren im Wallis ausgesucht.
Nach der Anreise nach Zermatt begannen wir den Aufstieg zur Schönbielhütte, die uns zugleich als Eingeh- und Akklimatisierungs-Tour dienen sollte. Am Folgetag stiegen wir über den Hohwäng Gletscher zum Arbenbiwak (3224 mNHN), welches leider etwas überfüllt war. Nach einer sehr kurzen und unbequemen Nacht begannen wir die Tour in den frühen Morgenstunden. Über Gletscherzustieg, einige Felsbänder gelangten wir auf den Arbengrat und über diesen zum Obergabelhorn (4063 mNHN / ZS, 3b). Weiterführend über die Wellenkuppe, einige Abseilstände und den Triftgletscher zu unserem Tagesziel, die Rothornhütte.
Nach einem Pausentag hatten wir uns das Zinalrothorn (4221 mNHN) über den Kanzelgrat (S+, 5a) ausgesucht. Ein ernsthaftes und anspruchsvolles Unterfangen. Alles lief Super: über den „Normalanstieg" des SE-Grates, das „Wasserloch“ hoch, die Schutt und Felsbänder queren, die Firnwand hoch zum südlichen Ausläufer des SE-Grates, dann in die brüchige Felsrinne einsteigen... Zuerst fanden wir nicht den richtigen Einstieg in die Wand, aber schon bald war unsere volle Aufmerksamkeit gefordert. Über leicht ausgeprägte Bänder, feine Leisten und Risse gelangten wir zum Gipfel. János meisterte die Schlüsselstelle mit dem Dach mit Bravour und mir wurde die Ausstiegs-Seillänge zu Teil . So konnten wir unter sogar unter Führerzeit unser Gipfelglück genießen.
Auf dem Abstieg „retteten“ wir noch eine Solo Geherin aus Finnland, die ihr Abseilgerät verloren hatte und halfen einer weiteren Seilschaft bei der Wegfindung, gelangten schließlich aber alle wohlbehalten zur Hütte.
Für unsere letzte Tour hatten wir uns eine vermeintlich „leichtere“ Tour, den Rothorngrat (SSW-Grat / ZS+, 4a) ausgesucht, welcher sich allerdings als etwas mental fordernd herausstellen sollte. Der Grat forderte aufgrund der Exponiertheit unentwegt die volle Aufmerksamkeit. Über nicht enden wollende Gendarme und Türme, Aufschwünge, unzählige Platten und schmale Grat Abschnitte gelangten wir etwas geistig ermüdet zur „Gabel“, einem Wegeabzweig im Aufstiegcoloir des Normalweges.
Von alten erwähnten Schlaghaken aus der Erstbegeher Zeit war bis auf einen nichts mehr vorhanden, und so waren wir zum fast durchgehenden Selbstsichern genötigt. Dennoch hatten wir eine erfolgreiche Tour und konnten auf eine tolle Hochtourenwoche zurückblicken.
Vielen Dank János!
János Palik / Thorsten Ringel